Bulgarien vor der Euro-Einführung
Trotz vieler Schwierigkeiten im Vorfeld konnten wir einen interessanten und informativen Nachmittag erleben. Nicht zuletzt der Streik an den Flughäfen hat unser Programm vollkommen durcheinander gebracht. Weder die erwartete Vize-Außenministerin Elena Shekerletova noch der überwiegende Teil der vorgesehenen bulgarischen Unternehmer konnten anreisen.
Nach der Begrüßung durch Präsident Eberhard Sinner, der dabei auf die lange Geschichte der bayerisch-bulgarischen Beziehungen einging sprach Konsulin Vespa Jordanova, Konsulin in Vertretung des Generalkonsuls Stefan Ionkov ein Grußwort. Sie betonte dabei wie ihr Vorredner die langjährigen guten Beziehungen zwischen Bayern und Bulgarien. Sie verwies auf die intensiven Bemühungen Bulgariens ein vollwertiges Mitglied der Europäischen Gemeinschaft zu werden, was jetzt durch den erfolgten Beitritt in den Schengenraum und die bevorstehende Einführung des Euros mit Erfolg gekrönt wurde.
Die möglichen Auswirkungen der Einführung des Euros untersuchte Frau Prof. Svetla Boneva, Dekanin der Fakultät für Internationale Wirtschaft und Politik der Universität für National- und Weltwirtschaft, Sofia. Die Einschätzung der Bevölkerung, mögliche Vor- und Nachteile erörterte sie ausführlich.
Ihre Präsentation gibt dazu einen guten Überblick.
Ihr Resümee: Durch die Einführung des Euro wird Bulgarien aufgrund einer stabileren Wirtschaft, geringerer Währungsrisiken, eines besseren Zugangs zu Finanzmitteln, niedrigerer Kosten und einer stärkeren Integration in den europäischen Markt für ausländische Investoren attraktiver. Diese Faktoren werden ein berechenbareres, effizienteres und rentableres Investitionsumfeld für Unternehmen schaffen, die in Bulgarien expandieren möchten.
Im Anschluss an den Vortrag stellte unser OWWF - Vertreter in Bulgarien, Dr. Ilja Lasarow, mit Dipl. Ing. Nikolay Arnaudsky den Inhaber und CEO eines sehr innovativen bulgarischen Unternehmens vor. Die dort entwickelten Produkte sind bereits in vielen Ländern eingesetzt. Es handelt sich dabei um sehr fortschrittliche medizinische Geräte und ein System zur Reinigung von Trinkwasser auf physikalischer Grundlage.
Vizepräsident Hermann Pönisch konnte durch seine Erfahrung mit bulgarischen Firmen den hohen Standard von Entwicklungen in verschiedenen Geschäftsbereichen bestätigen. Oft fehlt jedoch, wie fast in allen früheren sozialistischen Ländern, das Marketing Know how. Im speziellen Fall Bulgarien kommt noch ein in der Regel unbegründetes schlechtes Image des Landes dazu. Pönisch betonte in diesem Zusammenhang, dass auch das Land ein gezieltes Marketing benötigt.
In seinem Schlusswort betonte Präsident Sinner auch die strategische läge Bulgariens am Schwarzen Meer. Bulgarien hat nach schwierigen Jahren des Umbruchs nach der Wende wieder Fuß gefasst. Leider ist der Fortschritt in der wirtschaftlichen Entwicklung noch auf wenige Zentren wie Sofia, Plovdiv und Varna beschränkt. Früher prosperierende Landstriche sind verarmt und durch den Wegzug der jungen, gut ausgebildeten Leute ausgeblutet. Dies ist einer der Gründe für die immer noch nicht sehr stabilen politischen Verhältnisse. Auf jeden Fall verdient das Land unsere Beachtung und Unterstützung.
Alle Teilnehmer der Veranstaltung wurden zum anschließenden Empfang des bulgarischen Generalkonsulats anlässlich des bulgarischen Nationalfeiertags eingeladen.
Fotos der Veranstaltung:
von links: Prof. S. Boneva, E. Sinner, Mag. V. Jordanova, H. Pönisch
Dr. i. Lasarov, Dipl. Ing. N. Arnaudsky